Gelebte Inklusion am Beispiel unserer Praxisfirma SANTIFIT in Oensingen – ein Meisterwerk ist entstanden!

image_printDruckversion

Die Geschichte einer Wand – Oder: Wie es dazu kam, dass ein kalter Raum mich zur Künstlerin erhob.

In der Santifit in Oensingen sollte ein neues Zimmer erschlossen werden. Um die sterile Strenge der weissen Wände etwas zu brechen, wendete sich die Geschäftsleitung mit einem einfachen Entwurf an uns Teilnehmende mit der Frage, wer Interesse daran hätte, die Farbe entsprechend auf die Wand zu bringen.

Im Gegensatz zum Entwurf selber gefiel mir die Grundidee. Schon immer habe ich meine Gefühle gerne in Farben und Formen ausgedrückt, wenn auch noch nie in so grossem Stil. Als Tochter eines gestaltenden Künstlers hatte ich seit dem Misserfolg an der Kunstgewerbeschule immer das Gefühl, nicht zu genügen.

Hier war das anders. Ich hatte nichts zu verlieren, also liess ich mich auf das Experiment ein. Ich wendete ich mich mit zwei schnell hingeworfenen Entwürfen an die Leitung, in der Hoffnung, mich kreativ einbringen zu können. Die Begeisterung, mit welcher meine Vorschläge angenommen wurden, war dann der erste Boost für mein Selbstwertgefühl. Dass dann der weit persönlichere Entwurf «Lebensweg» das Rennen machte, tat ein Weiteres.

Nun ging alles sehr schnell. Material und Helfende mussten organisiert und vorbereitet werden, der Entwurf an die Wand gebracht und weiterentwickelt werden.

Mein ursprünglicher Plan, die Helferinnen ihre eigenen Ideen in die Arbeit einbringen zu lassen, musste ich leider deren Bedürfnissen opfern – Eine um die Andere brach weg, bis ich schliesslich alleine übrig blieb. Ich versenkte mich also von Musik getragen in die Arbeit, liess Formen und Farben wachsen und freundete mich schliesslich sogar mit dem unregelmässigen Abrieb als Leinwand an.

Diesen Entwicklungs-Prozess eines Bildes kenne ich sonst im Kleinen, z.B. auf einem Blatt Papier; an ganze Wände hatte ich mich bisher nur unter der Leitung Anderer gewagt, zu sehr lastete die Angst, dabei zu versagen, auf mir. Hier hatte ich nichts zu befürchten. Und dann kam das, was ich nicht erwartet hätte: Während der drei Wochen, in denen ich (unter Anderem) an der Wand arbeitete, kamen regelmässig Leute vorbei und sahen mir zu. Das Feedback, was ich erwartet hatte, wurde weit übertroffen. Meine vorherige Selbsteinschätzung musste ich von «nicht schlecht» zu «die Andern finden es echt gut!» anheben.

Die Erfahrung, die ich hier machen durfte, hat viel in mir bewirkt: Mein Selbstvertrauen bezüglich meiner kreativen Fähigkeiten hat sich endlich aus dem Schatten meines Vaters erhoben. Ich muss mich nicht mehr an ihm oder Anderen messen. Immerhin ist es mein eigenes Inneres, welches ich darstelle.

Echt erstaunlich, was ein einmaliger Vertrauensvorschuss bewirken kann.